Detail aus "Orange" (2013). Markus Bydolek

30 Jahre lang hat Markus Bydolek schwarz-weiß fotografiert. „Farbigkeit war für mich schon immer ein eigenständiges Bildelement, mit dem ich möglichst frei operieren können muss – in der analogen Farbfotografie hatte ich dafür keinen befriedigenden Weg gesehen“, erklärt der gebürtige Hildesheimer, der seit 1995 in Trier lebt. Der Einsatz bestimmter Bildbearbeitungsprogramme erlaubt ihm inzwischen, sich mehr auf seine künstlerischen Absichten zu konzentrieren als früher und wesentlich komplexere Bildwerke zu schaffen. Vor wenigen Jahren ist er zur Farbe zurückgekehrt – und wie.

Wie kamen Sie zur Kunst?

Es geschah in meiner Jugend, auf der Suche nach neuen Sichtweisen, Konzeptionen, Ausdrucksformen … Als ich in den 70er Jahren mit Werken der klassischen Moderne in Berührung kam, empfand ich spontan Vertrautheit und Nähe – es musste mich niemand „hinführen“. Das Erleben von Kunst gehört zu meinen frühesten bewussten Grenzerfahrungen, und sie ist seither Teil meines Lebens.

Gibt es Künstler, die Sie inspiriert haben?

Die Liste würde lang ausfallen, denn ich gierte in meiner Jugend nach Inspirationsquellen. Es war gerade die Vielfalt an möglichen Sichtweisen und Positionen, die Kunst für mich so interessant machte. Im Rückblick waren vielleicht Lyonel Feininger und Robert Delaunay besonders nachhaltig für mich.

Autodidakt oder Studium?

Etwa mit 15 Jahren begann ich autodidaktisch zu malen. Im Laufe meines Studiums an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig wechselte ich zur Fotografie. Fotografie hatte sich aber damals in Deutschland noch nicht als Kunstgattung durchgesetzt, sondern war entweder Handwerk oder Design. Während wir an der HBK bereits Professuren für Film hatten, wurden damals nur einfache Grundlagen der Fotografie vermittelt, im Rahmen von Lehraufträgen. So habe ich im Grunde doch eher ein Selbststudium absolviert.

Gibt es ein Kunstwerk, das Sie bewundern?

Es gibt ein Werk, das Duchamps’ berühmtes Gemälde „Akt, eine Treppe hinuntersteigend“ mit rein fotografischen Mitteln nachempfindet. Ich glaube, es stammt von dem Fotografen Andreas Feininger, dem Sohn des Malers Lyonel. Etwa mit 20 Jahren stieß ich zufällig auf eine Abbildung davon. Bis dahin hatte ich mich wenig für Fotografie interessiert, doch in jenem Moment wurde mir schlagartig klar, welche Gestaltungsmöglichkeiten die Fotografie bietet. Schon wenige Monate später hatte ich eine Kamera, die Mehrfachbelichtungen erlaubte. Und nicht viel später legte ich den Pinsel aus der Hand – vorübergehend, wie ich damals dachte. Tatsächlich habe ich aber niemals wieder angefangen, zu malen.

Mit welchen Techniken arbeiten Sie?

Bis vor wenigen Jahren habe ich analog schwarz-weiß fotografiert und meine Bilder anschließend auf großen graphischen Filmen weiterverarbeitet. Diese recht spezielle, leider auch schwerfällige Technik war jahrelang mein Markenzeichen, und sie ermöglichte mir große und qualitätvolle Bildformate in einer unverwechselbaren Bildsprache. Ich bin der analogen Fotografie also nicht aus nostalgischen, sondern aus künstlerischen Gründen so lange treu geblieben.

Derweil hatte ich die Fortschritte der digitalen Fotografie interessiert verfolgt, und um 2010 fand ich die Zeit reif für den Wechsel, wobei ich meine langjährig erworbene Sicht- und Arbeitsweisen auf die neuen Arbeitsgeräte übertrug. Der Einsatz bestimmter Bildbearbeitungsprogramme erlaubt mir, mich heute mehr auf meine künstlerischen Absichten zu konzentrieren als früher und wesentlich komplexere Bildwerke zu schaffen. Auch konnte ich nun zur Farbe zurückkehren, auf die ich 30 Jahre lang verzichtet hatte. Farbigkeit war für mich schon immer ein eigenständiges Bildelement, mit dem ich möglichst frei operieren können muss – in der analogen Farbfotografie hatte ich dafür keinen befriedigenden Weg gesehen.

Was ist ihr künstlerischer Antrieb?

Vielleicht meine Freude daran, Schönheit zu entdecken. Bloßer Anschein hat mich selten zufriedengestellt, und immer schon musste ich hinter der Oberfläche der Dinge forschen, nicht nur auf künstlerische Weise.

Ist Schönheit nicht ein Ausdruck innerer Notwendigkeit? So wäre ästhetisches Gelingen nichts anderes als sinnvolle Neuschöpfung. Ich dringe in die Dinge ein und umkreise sie, sei es in der Zeit oder auch im Raum. Ich muss bereit sein, mich einzulassen, dann kann ich sehen, was passiert, kann auch Aufnahmen machen, die später vielleicht als Rohmaterial dienen, um zu einem Bild zusammengefasst zu werden.

Was gibt Ihnen Kunst?

Es befriedigt mich, Bilder zu schaffen, die meinen Vorstellungen entsprechen. Ich finde darin Lust und Erfüllung.

Wie beurteilen Sie die Künstlerszene in Trier?

Die hiesige Künstlerszene ist ausgesprochen lebendig und vielseitig. Viele Kolleginnen und Kollegen arbeiten auf sehr hohem Niveau. Hinsichtlich des künstlerischen Outputs bräuchte sich Trier auch vor größeren Städten nicht zu verstecken.

"Das Erleben von Kunst gehört zu meinen frühesten bewussten Grenzerfahrungen", sagt Markus Bydolek. Foto: Rainer BreuerWie lässt es sich in Trier als Künstler arbeiten?

Nur schwierig. In der öffentlichen Wahrnehmung kommt Bildende Kunst hier kaum vor. Die Leistungen der Kunstschaffenden werden nur von einer schmalen Schicht Kunstinteressierter überhaupt zur Kenntnis genommen.

Wo kann man Ihre Werke sehen?

In Trier mehrmals jährlich auf Ausstellungen. Wer an aktuellen Infos interessiert ist, kann sich gerne in meinen E-Mail-Verteiler aufnehmen lassen.

Wo würden Sie gerne mal ausstellen?

Das Mudam wäre eine schöne Adresse.

Markus Bydolek wurde 1960 in Hildesheim geboren. Ab 1979 studierte er Kunst- und Werkpädagogik an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig – zunächst Malerei, später Fotografie. Seit seinem Umzug nach Trier Mitte der 90er arbeitet er freischaffend.

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