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Obwohl er bis zu seinem letzten Tag als Oberbürgermeister wie bisher nicht weniger als 14 Stunden täglich arbeiten wird, hat Klaus Jensen längst seinen Abschied Ende März vorbereitet. Seit Anfang des Monats räumt er für seinen Nachfolger Wolfram Leibe sein Büro leer. Ein guter Zeitpunkt, die vergangenen acht Jahre Revue passieren zu lassen.

16 VOR: Sie verwenden – wenn ich mich recht entsinne – gerne die Redewendung, etwas mit einem lachenden und einem weinenden Auge zu sehen. Trifft dies auch rückblickend auf Ihre OB-Zeit zu?

Klaus Jensen: Obwohl es ja meine Entscheidung war, für eine Amtszeit zu kandidieren, nehme ich auch mit einem weinenden Auge Abschied von diesem schönen und intensiven Amt.

16 VOR: Auf welches Projekt oder Ereignis sind Sie besonders stolz, an dem Sie als Oberbürgermeister mitgewirkt haben?

Jensen: Ich bin auf Vieles stolz, sicher gehören die Energiewende und die Regionalisierung der Stadtwerke, die Entwicklung des Gesundheitssektors, der Start zum Bau bezahlbaren Wohnraums und die Bürgerbeteiligung dazu.

16 VOR: Gibt es noch etwas, dass Sie gerne noch innerhalb Ihrer Amtszeit umgesetzt hätten?

Jensen: Natürlich hätte ich mir noch mehr Fortschritte beim Thema „Stadt am Fluss“ gewünscht. Wegen der defizitären Haushaltssituation musste ich andere Prioritäten, zum Beispiel bei den Schulen setzen.

16 VOR: Worauf hätten Sie in den vergangen acht Jahren gut verzichten können?

Jensen: Auf Herrn Babic und die NPD. Aber mein Aufwand im Kampf gegen Rechts war und ist wichtig und hat erste Früchte getragen

16 VOR: In einem 16 VOR-Interview vor anderthalb Jahren sagten Sie auf die Amtsführung Ihres Vorgängers angesprochen, dass auch Sie ein Macher seien, es Ihnen aber wichtig sei, vor den Entscheidungen einen intensiven Dialog zu führen. Einige Leserbriefschreiber verspotteten Sie dafür. Wie reagieren Sie auf Kritik an Ihrem Führungsstil?

Jensen: Darauf reagiere ich sehr gelassen, denn ich weiß aus vielen Gesprächen, dass mich gerade deswegen ganz viele Triererinnen und Trierer seinerzeit gewählt haben. Die große Mehrheit befürwortete und bevorzugt heute diese neue Form des Umgangs miteinander. Man kann es aber bekanntlich nicht allen recht machen. Und den meist anonym geäußerten Spott einzelner muss man als Politiker ertragen. Vielfach waren diese persönlichen Angriffe aber auch nur peinlicher Ausdruck von Uninformiertheit in der Sache. Ich erwarte von den ja nur wenigen Spöttern, dass sie sich informieren. Das ist ihnen aber wohl zu anstrengend. Manche tauchen dann auch noch in die Anonymität ab. Das ist dann einfach nur selbstredend.

Rückblickend bin ich jedenfalls froh, dass wir gemeinsam viel erreicht haben und sich die Leistungsbilanz sehen lassen kann. Ich wurde auch wegen meines Führungsstils von einer großen Mehrheit gewählt.

"Ich habe versucht, mir treu zu bleiben", sagt Klaus Jensen über seine Zeit als Oberbürgermeister. Fotos: Marco Piecuch

“Ich habe versucht, mir treu zu bleiben”, sagt Klaus Jensen über seine Zeit als Oberbürgermeister. Fotos: Marco Piecuch

16 VOR: Würden Sie etwas anders machen, wenn Sie noch mal kandidierten?

Jensen: Im Nachhinein ist jeder klüger. Ja, ich würde sicher stärker transparent machen, warum manche Entscheidungen in der Stadt wie gelaufen sind. Als Beispiel möchte ich die Entscheidung des Stadtrates zur Beteiligung der Stadtwerke am RWE Kohlekraftwerk Hamm nennen. Diese Entscheidung gegen meinen Willen kostet uns jetzt Millionen.

16 VOR: Haben Sie die vergangenen acht Jahre menschlich verändert?

Jensen: Das müssen andere beurteilen. Ich habe versucht, mir treu zu bleiben.

16 VOR: Was würden Sie Ihrem Nachfolger für eine erfolgreiche, nervenschonende Arbeit im Trier Rathaus empfehlen?

Jensen: Ich bin mir sicher, dass Wolfram Leibe seinen Weg gehen wird.

16 VOR: Wie wird der 1. April bei Ihnen aussehen?

Jensen: Ich werde ihn mit Malu verbringen, kurz Rückschau halten und mir Gedanken machen, welche Projekte ich mit meiner Stiftung in Sachen „Gewaltprävention, Mediation und Versöhnung“ auf den Weg bringe. Ich freue mich auf meinen neuen, engagierten und entschleunigten Lebensabschnitt.

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