Foto: Daniel Prediger

Seit knapp zehn Jahren leitet Susanne Link die Universitätsbuchhandlung Stephanus. Dass sie äußerst beliebt und geschätzt ist, belegen auch einige Auszeichnungen. So wurde das Geschäft im Treff beispielsweise 2010 vom Branchenblatt Buchmarkt zur „Fachbuchhandlung des Jahres“ gekürt. In diesem Jahr gehörte die gebürtige Koblenzerin zur siebenköpfigen Jury der Akademie Deutscher Buchpreis. Im Interview mit 16 VOR erzählt sie von ihrer Arbeit als Jurorin, ihren Lektürevorlieben und ihrer Haltung zu Amazon.

16 VOR: Wie viele Bücher muss man als Buchhändlerin monatlich lesen, um sich gut informiert zu fühlen?

Susanne Link: So viele wie frau schafft und Lust drauf hat. Aufs Jahr gesehen sind das bei mir circa 90 Bücher, monatlich variiert das etwas – es gibt immer wieder Phasen, in denen ich wenig oder nichts lese. Entscheidend sind die Verlagsvorschauen und die Feuilletons.

16 VOR: Wie viele von den Büchern würden Sie auch privat lesen?

Link: Alle! Ich habe das Glück, dass das, was ich als gut empfinde für die Buchhandlung und unsere Kundinnen, miteinkaufen zu dürfen.

16 VOR: Welches Buch hat Sie in den vergangenen Jahren am meisten beeindruckt?

Link: „Supergute Tage oder die sonderbare Welt des Christopher Boone“ von Mark Haddon, „Die Sturmflut“ von Margriet de Moor, „Überm Rauschen“ von Norbert Scheuer und „Nie mehr Nacht“ von Mirko Bonné sind einige, die mich seit Jahren begleiten.

16 VOR: Lesen Sie Bücher bis zum Ende, auch wenn sie Ihnen nicht gefallen?

Link: Ja, denn jedes Buch hat seine volle Chance verdient.

16 VOR: Wie reagieren Sie, wenn Sie bei Freunden oder Verwandten Amazon-Päckchen sehen?

Link: Empört! Ich kann nicht nachvollziehen, dass jemand online bestellt, wenn alles vor Ort an Geschäften noch besteht. Der Buy-local-Gedanke ist fest in mir und ich freue mich sehr, wenn Kunden genau dies zurückmelden.

Zeit ist für viele ein Faktor – oft finde ich ihn vorgeschoben. Der ganze Verpackungsmüll, die vielen gefahrenen Kilometer … Bücherpäckchen kostenlos versenden – das können wir auch. Aber eine Fachberatung vor Ort, etwas zu entdecken, jemanden zufällig zu treffen und ein Schwätzchen zu halten – das sind schöne Einkaufserlebnisse.

16 VOR: Macht Ihnen Amazon Angst?

Link: Nein!

16 VOR: Wieso haben Sie sich nach Ihrem Studium noch für eine Ausbildung zur Buchhändlerin entschieden?

Link: Es komplementierte mich und macht mich glücklich.

16 VOR: Sie gehörten in diesem Jahr der Jury an, die den Gewinner des Deutschen Buchpreises bestimmte. Wie kam die Akademie Deutscher Buchpreis auf Sie?

Link: Die Unifiliale von Stephanus ist 2010 mit dem Titel „Fachbuchhandlung des Jahres“ ausgezeichnet worden. Nach der Preisverleihung auf der Frankfurter Buchmesse bin ich von einer damaligen Jurorin angesprochen worden, und ich habe Ja gesagt. Dieses Jahr hat es geklappt.

16 VOR: 167 Romane wurden für den Preis eingereicht, wovon jeder Juror mehrere Dutzend lesen musste. Ein Teil konnte von allen nur gesichtet werden. Haben Sie nicht die Befüchtung, dass einem dabei etwas entging?

Link: Nein, denn wir waren zu siebt und die Zusammenarbeit und der Austausch sehr intensiv.

16 VOR: Lutz Seiler hat die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung gewonnen. War er auch Ihr Favorit?

Link: Lutz Seiler ist einstimmig zum Buchpreisgewinner 2014 auserwählt worden.

16 VOR: Was gab den Ausschlag für Seilers „Kruso“? Musste zum 25. Jahrestag ein Wende-Roman gewinnen?

Link: Wir haben ausschließlich nach Inhalt, Stil und Sprache und nicht nach politischen Ereignissen ausgewählt. Es ist Zufall, dass im 25. Jahr nach der Wende mit „Kruso“ ein Requiem für die Ostseeflüchtlinge gewinnt.

16 VOR: Ist schon jetzt erkennbar, was der Buchrenner an Weihnachten wird? Wieder Kerkeling?

Link: Nein, der Leser entscheidet, und Weihnachten kommt wie jedes Jahr ziemlich überraschend. Erst in den 14 Tagen vor Heiligabend fällt die Entscheidung.

16 VOR: Verschenken Sie Bücher?

Link: Immer! An Alle!

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Kommentar zu “„Der Buy-local-Gedanke ist fest in mir“

  1. Vielleicht bin ich jetzt zu pingelig, aber sollte jemand, der so in der Sprache bzw. Literatur zuhause ist, für die an sich bewundernswerte Einstellung des “buy local” nicht auch ein Wort in der örtlichen Sprache (auf trierisch?) finden können?

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