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Charles de Gaulle (1890-1970) lebte zwei Jahre, von 1927 bis 1929, mit seiner Familie in der Villa Friedrich-Ebert-Allee 2. Er hatte als 37-Jähriger bereits eine bewegte militärische Karriere hinter sich gebracht, die zu dem Kommandantenposten eines Jägerbataillons in Trier führte. Spätestens nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er als Gegner des Vichy-Regimes, durch die Unterzeichnung des Élysée-Vertrags und als Frankreichs Präsident weltweit bekannt.

Als Hauptmann überlebte Charles de Gaulle den ersten Weltkrieg, um sich nach freiwilligem Dienst im polnisch-sowjetischen Krieg der Ausbildung innerhalb der französischen Armee zu widmen. 1921 heiratete er Yvonne Vendroux, die ihn fortan mit den insgesamt drei Kindern stets auf seinen zahlreichen Stationen begleitete. Die Stadt Trier war für zwei Jahre Heimat der Familie de Gaulle. Erstmals ist de Gaulle im Jahr 1924 an der Mosel, um hier im „19e bataillon de chasseurs à pied“ tätig zu sein. Als Bataillonskommandeur kehrt der inzwischen zum Major aufgestiegene de Gaulle am 11. Oktober 1927 zurück nach Trier und zieht mit seiner Frau und den beiden in Paris geborenen Kindern Philippe (*1921) und Élisabeth (1924-2013) in die frisch nach dem ersten deutschen Reichpräsidenten benannte Straße.

Das freistehende zweistöckige Haus steht an der Ecke zur heutigen Merianstraße, die zum Martinsufer führt. Das nicht unter Denkmalschutz stehende Haus wurde im Jahr 2004 grundlegend saniert und vor allem das neue ausladende Dach mit zwei zusätzlichen Etagen setzt dem historischen Gebäude einen nicht wirklich passenden Abschluss auf. Und doch lässt die an der Allee liegende Fassade mit ihrem kleinen Erker im Erdgeschoss und dem daraufliegenden kleinen Balkon Schlüsse auf die ursprüngliche Nutzung zu.

Mit seinen 1,95 Metern ragt Charles die Gaulle aus der Gruppe des 19e bataillon de chasseurs à pied auffällig heraus. Herausragend war auch sein lebenslanges Engagement für die Freundschaft zwischen Frankreich und Deutschland. Foto: Sammlung Adolf Welter

Mit seinen 1,95 Metern ragt Charles die Gaulle aus der Gruppe des 19e bataillon de chasseurs à pied auffällig heraus. Herausragend war auch sein lebenslanges Engagement für die Freundschaft zwischen Frankreich und Deutschland. Foto: Sammlung Adolf Welter

Philippe de Gaulle schreibt in seiner Biographie, dass die Familie beide Stockwerke bewohnt hat, das Dachgeschoss beherbergte üblicherweise das Personal. Im repräsentativen Erdgeschoss, der “bel étage”, lagen unter anderem eine Bibliothek, eine Küche sowie ein Anrichtzimmer. Der Salon befand sich im Erkerzimmer mit Blick auf das schon damals üppige Grün der Nordallee. Klassisch modern war die Innenausstattung mit Parkett, weißen Türrahmen und mit Glas durchsetzten Türen, die bis heute zu einem guten Teil erhalten ist. Im ersten Geschoss darf man sich die privaten Räume und Kinderzimmer der de Gaulles vorstellen. Madame ist immerhin hochschwanger nach Trier gekommen und hat das dritte Kind im Militärhospital entbunden. Anne (1928-1948) kam im Januar mit Trisomie 21 zur Welt und war ihr kurzes Leben lang besonders für ihren Vater der Sonnenschein der Familie. Bis heute kümmert sich die „Fondation Anne de Gaulle“ um die Integration behinderter Menschen.

Folgt man von der Villa de Gaulle kommend der Merianstraße Richtung Mosel, passiert man auf der linken Seite liegend eine zusammenhängende Gebäudereihe, die ebenfalls dem französischem Militär vorbehalten war. Im Gegenzug zur Villa stehen die Häuser Merianstraße 19-25 unter Denkmalschutz. Die Wohnhäuser wurden wie die Villa ab 1921 vom Reichsvermögensamt für die Offiziere der französischen Besatzungsmacht errichtet. Der gesamte Straßenzug ist stimmig gestaltet und passt gut in das Straßenbild Triers, ohne zu üppig zu wirken.

Die Stadt Trier selbst ist aufgrund ihrer Lage schon immer Militärstadt gewesen – das erste Militärlager errichteten die Römer 30 vor Christus auf dem Petrisberg. Die Besatzung Triers beziehungsweise des Rheinlandes zwischen den beiden Weltkriegen ist jedoch eine besondere, denn unter anderem aus ihr heraus wächst auch ein großer Teil Fremdenfeindlichkeit, die im Nationalsozialismus zum Schrecklichsten führt. Direkt zum Ende der französischen Besatzungszeit 1930 gibt die Volksfreund-Druckerei Trier einen Band heraus, für den sie den Bibliotheksdirektor Prof. Dr. Gottfried Kentenich engagiert. Ziel war eine „historisch-kritische Darstellung der vorangegangenen 12 Jahre unter französischem Regiment“. Wenige Jahre vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten unter Adolf Hitler stimmen folgende Sätze aus dem Vorwort von Peter Koch über die Zusammensetzung der Besatzer mit Soldaten aus den zahlreichen Kolonien Frankreichs bedenklich: „Das Rheinland ist frei! Frei sind unsere Straßen vom lauten Soldateska-Gemisch, das in allen Hautfarbennuancen schillerte vom Ebenholzschwarz der Senegalesen zum Zitronengelb der Asiaten, allen Braunschattierungen der Nordafrikaner und der „Kulturhaut“ der Franzosen selbst, der einzig im frischen Bauernburschentyp der Alpenjäger eine freundlichere Erinnerung hinterlässt“.

„So heißt doch der Flughafen in Paris!“, lautet meist der erste Ausruf der Schülergruppen, die von der Jugendherberge und Mosel kommend durch die Merianstraße in die Innenstadt laufen und die Plakette der DFG sehen. Hier ist es dann an den Lehrern, aufzuklären und die europäische Geschichte lebensnah darzustellen. Fotos: Bettina Leuchtenberg

„So heißt doch der Flughafen in Paris!“, lautet meist der erste Ausruf der Schülergruppen, die von der Jugendherberge und Mosel kommend durch die Merianstraße in die Innenstadt laufen und die Plakette der DFG sehen. Hier ist es dann an den Lehrern, aufzuklären und die europäische Geschichte lebensnah darzustellen. Fotos: Bettina Leuchtenberg

Die historisch gewachsene Distanz bis Feindschaft zwischen Deutschland und Frankreich wurde im Zweiten Weltkrieg nochmals befeuert, bis der inzwischen zum französischen Staatspräsidenten aufgestiegene Charles de Gaulle zusammen mit dem Bundeskanzler Konrad Adenauer 1963 in Paris den Élysée-Vertrag unterschrieb. Seitdem sind sich die beiden Nachbarstaaten immer näher gekommen.

In Trier gründete sich die Deutsch-Französische Gesellschaft (DFG) bereits 1957 – zu einem Zeitpunkt, als wieder französische Soldaten in Trier waren. Offensiv knüpfte der Verein damals Kontakt mit den Soldaten und tauschte sich auf freundschaftlicher Ebene aus. Bis heute ist die DFG aktiv. Um die deutsch-französische Freundschaft auch in der Öffentlichkeit zu präsentieren, realisierte der Verein eine Skulptur auf dem “carré français” auf dem Hauptfriedhof und zeichnet jährlich Schülerinnen und Schüler für gute Ergebnisse im Fach Französisch aus. Im März 2015 installierte er die Gedenkplatte an der Villa de Gaulle in der Friedrich-Ebert-Allee.

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