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Sie wurden vom Papst verklagt, dem Bundespräsidenten und der FIFA. Kurz nach ihrer Abschiedstour geht die Titanic Boygroup mit ihrem Programm „Comeback – Die Rückkehr der Satire-Zombies“ wieder auf Lesereise. Dabei präsentieren die ehemaligen Chefredakteure der Titanic, Oliver Maria Schmitt, Martin Sonneborn und Thomas Gsella, die „ältesten Pointen der westlichen Welt, Geschmacklosigkeiten auf höchstem Niveau, anspruchsvolle Zoten und verbotene Witze auf Kosten unbeteiligter Dritter“. Am Freitag tritt das Trio um 20 Uhr im Großen Saal der Tufa auf. 16 VOR sprach mit Oliver Maria Schmitt (Mitte) über frühere Trier-Aufenthalte, das wahre Verhältnis zu seinen beiden Kollegen und über seine einstige Tätigkeit beim Trierischen Volksfreund.

16 VOR: Der erste Auftritt der Titanic Boygroup in Trier vor etwa 15 Jahren endete im Trierer Barviertel in verschiedenen zwielichtigen Etablissements. Welche Erinnerungen haben Sie an den Abend?

Oliver Maria Schmitt: Barviertel? Nach der Lesung schleppte uns der damals frischgebackene Bischof Marx in seine Sakristei und gab ein paar Runden Messwein aus. Dass Sie Ihren Trierer Dom „zwielichtiges Etablissement“ nennen, schockiert mich allerdings.

16 VOR: Die Titanic hatte schon einige Chefredakteure. Warum touren Sie nur mit Martin Sonneborn und Thomas Gsella?

Schmitt: Es sind die einzigen, deren Namen ich mir noch merken kann. Nach Gsella wechselten die Chefredakteure ja teilweise im Monatsrhythmus. Da halte ich mich lieber an meine alten Kollegen… den Dingsborn… und den anderen da, der mit der Brille.

16 VOR: Seit 20 Jahren gibt es die Titanic Boygroup. Was war Ihr bemerkenswertestes gemeinsames Erlebnis?

Schmitt: Das war eindeutig die Lesung in der Essener Grugahalle, zu der Gsella versehentlich nicht erschien und ich hinterher die Gage mit Martin Sonneborn nur durch zwei teilen musste.

16 VOR: Wie ist nach einer solch langen Zeit das Verhältnis zueinander?

Schmitt: Das Wort „Verhältnis“ scheint mir hier unangebracht. Nach über 20 Tourjahren und 1000 ausverkauften Auftritten können wir uns einfach nicht mehr riechen. Wir reisen prinzipiell mit drei verschiedenen Limousinen an und betreten die Auftrittsorte durch drei verschiedene Eingänge. In der Tufa wird das ein Problem geben, weil es nur einen Bühnenhintereingang gibt. Es müssen also zwei provisorische hinzukommen. Auf der Bühne ignorieren wir uns dann völlig. Zu allem Übel haben wir kürzlich auch noch herausgefunden, dass wir jahrelang alle mit derselben Frau verheiratet waren. Das steckt man nicht so leicht weg.

16 VOR: 2012 erwirkte der Vatikan eine einstweilige Verfügung gegen ein Titelbild des Papstes von Ihnen. Auf welchen eigenen Beitrag oder welche eigene Aktion der Titanic sind Sie besonders stolz?

Schmitt: Ich bin auf gar nichts stolz, das ist mir alles furchtbar peinlich. Am peinlichsten fand ich, dass Sebastian Kurz, der jugendliche österreichische Wahlsieger, eine Klage gegen Titanic prüft, weil er dort als „Baby-Hitler“ bezeichnet wurde. So etwas hätte der echte Hitler nie getan, der hätte gleich zurückgeschossen.

16 VOR: Nicht erst seit dem Anschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo leben Satiriker gefährlich. Waren Sie schon mal Bedrohungen von Rechtsextremisten oder religiösen Fanatikern ausgesetzt?

Schmitt: Ich fand mein Foto mit Namen auf der einer islamistischen Website und habe mich darüber gefreut, dass sich die Herrschaften wohl informiert zeigten. Das fördert die Integration.

16 VOR: Bei manchen Veranstaltungen wie zuletzt bei dem von Ihnen moderierten „Satire-Massaker zur Buchmesse“ vor wenigen Wochen gab es zum Schutz der Beteiligten ein großes Polizeiaufgebot. Wie gehen Sie damit um?

Schmitt: Wir haben brav unsere satirische Arbeit erledigt, das Publikum bestand praktisch ausschließlich aus Polizisten. Die hatten Anweisung zu klatschen, deswegen war die Stimmung gut. Schließlich zelebrierten wir das „Große völkerverständigende Satire-Massaker“, die erste Lesungs-Kooperation zwischen Charlie Hebdo und Titanic. Stargast war übrigens die Trierer Hebdo-Mitarbeiterin Teresa Habild. Wir haben alle hervorragend überlebt und das entsprechend gefeiert.

16 VOR: Sie waren mal Praktikant beim Trierischen Volksfreund in der Wittlicher Außenredaktion. Wo lagen die Unterschiede zur Titanic-Redaktion?

Schmitt: Ich konnte keinen feststellen. Auch dort dachte ich mir die ungeheuerlichsten Falschmeldungen aus, legte Finger in Wunden und hielt der Gesellschaft den Spiegel vor, doch die Leser und Abonnenten ließen alles stoisch und teilnahmslos über sich ergehen.

16 VOR: Was bekommt das Publikum in der Tufa am Freitag geboten?

Schmitt: Wir bieten, wie immer, 240 Minuten Spaß, Spiel, Spannung, Zauberei, Jonglage, Illusionskunst, bodenständigen Rock vom Feinsten, Emotion pur und jede Menge Knüllerangebote, die andere nicht haben. Dazwischen kann es allerdings auch zu gezielten Beleidigungen von Bundeskanzlerinnen kommen, zu Tatsachenverdrehungen und natürlich auch zu Witzen auf Kosten Dritter, und da sind die Gauleiter-Gauland- und Helene-Fischer-Witze noch gar nicht mitgerechnet.

16 VOR: Wenn Sie nicht Ihre eigenen Texte läsen, was trügen Sie gerne stattdessen vor?

Schmitt: Bedenken, ob ich nicht doch lieber was von mir lesen soll.

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