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Nicht viele Komiker traten schon so oft in Trier auf wie Roberto Capitoni. In diesem Jahr feiert der Deutsch-Italiener, der in den 80ern als Teil des Comedy-Kollektivs “Die Niegelungen” bekannt wurde, 33. Bühnenjubiläum. In der Tufa stellt er am 10. September sein neues Programm “Ein Italiener kommt selten allein!” vor, in dem es um Konflikte geht, die entstehen können, wenn man schwäbische und südeuropäische Wurzeln hat.

16 VOR: Sie wohnen seit 14 Jahren in der Region Koblenz. Man muss als Comedian also nicht in Köln oder Berlin leben?

Roberto Capitoni: In Köln habe ich auch schon lange gelebt. Die jüngeren wohnen eher in Metropolen wie Hamburg, Berlin oder dem Kölner Raum. Dort ist das Fernsehen und bewegt sich die Szene.

Von der Anbindung ist Koblenz für mich total geil. Ich bin eh fast nur noch mit dem Zug unterwegs. Es ist nicht weit bis Frankfurt oder Köln. Und mit 100.000 Einwohnern ist Koblenz auch kein Dorf.

16 VOR: Bieten kleinere Städte nicht auch viel mehr Stoff für Programme?

Capitoni: Ja, man merkt zum Beispiel bei Kölner Kollegen, dass fast jeder eine Kölner Nummer macht. Ich mag Köln und bin auch FC-Fan, aber es ist nicht der Nabel der Welt. Manche drehen sich da ein bisschen im Kreis. So viele Comedians auf so engem Raum – die Themen sind dann irgendwann durch.

16 VOR: Ihr aktuelles Programm heißt “Ein Italiener kommt selten allein”. Haben Sie ein typisch italienisches Verhältnis zu Ihrer Familie?

Capitoni: Dadurch, dass ich in Isny im Allgäu geboren wurde, bin ich ja auch noch Schwabe. Der Schwabe ist behäbig, langsam und wägt immer alles ab, der Italiener sagt: “Okay, machen wir!”. Er lebt von einem Tag in den anderen, der Schwabe plant Jahre voraus. Diesen Konflikt habe ich öfter. Morgens sage ich mir als Italiener: “Ist gar nicht so wild”, und abends kommt dann der Schwabe durch: “S’isch alles bled g’laufe”. Dieser Konflikt macht einen Großteil meines Programms aus.

16 VOR: Mögen Sie lieber Spätzle oder Spaghetti?

Capitoni: Oh, beides. Ich esse einfach gerne. Zum Glück habe ich einen Job, der schweißtreibend ist. Sonst würde ich aus allen Nähten platzen. Dazu kommt noch das gute deutsche Bier. Immer in Bewegung bleiben – dann geht es schon irgendwie.

16 VOR: In der Wikipedia heißt es, Sie hätten 1975 die italienische Staatsbürgerschaft aufgegeben. Erstens, warum? Und zweitens, wie geht das mit 13 Jahren?

Capitoni: Ich musste. Von der Bundesregierung kam ein Schrieb, in dem es sinngemäß hieß: “Jetzt müssen wir mal gucken, was du bist: Deutscher oder Italiener?”. Ich musse mich für eins entscheiden. Da ich damals in Deutschland gewohnt habe, haben wir uns für Deutschland entschieden. Wenn ich das nicht gemacht hätte, hätten sie mich später bei Aufenthalten in Italien zum Militär eingezogen. Nun habe ich sogar eine Urkunde mit deutschem Bundesadler.

16 VOR: Sprechen Sie italienisch?

Capitoni: Sehr schlecht. Ich bin die Generation, in der der Vater abends nach Hause kam und müde war. Hätte meine Mutter italienisch mit mir gesprochen, dann könnte ich jetzt beides.

16 VOR: Hat es Sie noch nie gereizt, mal auf einer Bühne in Italien aufzutreten?

Capitoni: Doch, total. Ich glaube auch, ich wäre längst ein Superstar in Italien. Ich könnte dann richtig über Deutsche herziehen. Für Deutsche ist es ja auch lustig, wie ich Italiener auf die Schippe nehme.

16 VOR: Ich habe den Eindruck, dass der Anteil Ihrer Superhelden-Figur “Elektroman” in Ihren Programmen immer geringer wird. Wie sieht es in der aktuellen Show aus?

Capitoni: “Elektroman” gibt es als letzte Zugabe in meinem Programm. Er wird niemals sterben.

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