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Jean-Paul Origer und Henri Lorenzo-Huber sind mal wieder die Schnellsten: 2005 waren sie das erste schwule Paar, das sich in Luxemburg „pacsen“ (in etwa: eingetragene Lebenspartnerschaft) ließ. Und am ersten Januar dieses Jahres waren sie auch die ersten, die von der Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare Gebrauch machten. Dabei ließ es sich der grüne Bürgermeister Differdingens nicht nehmen, den historischen Trauungsakt am 1. Januar 2015 persönlich zu vollziehen.

Luxemburg hat damit nicht nur endlich ein wichtiges Grundrecht auch für gleichgeschlechtliche Paare zugänglich gemacht, sondern zeigt nebenbei dem katholischen Argentinier Jorge Mario Bergoglio, dass das Abendland keineswegs untergeht, wenn Schwule heiraten. Bergoglio hatte ja noch unlängst behauptet (bei einem Auftritt auf den Philippinen), die gleichgeschlechtliche Ehe sei eine „ideologische Kolonialisierung“, die die „Familie zerstört“. Nun ist der eingefleischte Junggeselle Bergoglio in seiner Funktion als Papst sicherlich ein Fachmann für ideologische Kolonialisierungen, von Familie versteht er allerdings nicht allzu viel.

Im ehemaligen „Marienland“ Luxemburg kann der Papst, was seine spezielle Vorstellung von Familie angeht, nur noch auf die rechtsnationalen Herren von der „adr“ bauen – die stimmten als einzige geschlossen gegen die Öffnung der Ehe, waren aber glücklicherweise nur zu dritt. In Deutschland erfindet man, statt die Ehe für alle einzuführen, einen Trostpreis namens „eingetragene Lebenspartnerschaft“ und ansonsten schrecken auch tapfere Sozialdemokraten und semi-liberale Grüne nicht vor einem inbrünstigen Bekenntnis zur Kirche zurück. Damit enthält man Schwulen und Lesben immer noch elementare Bürgerrechte vor, kaschiert das aber mit viel Rhetorik.

Generell werden die engen Verflechtungen des Katholizismus mit dem Staat dieser Tage in Luxemburg peu à peu gelöst. Momentan finanziert noch jeder luxemburgische Steuerzahler – ebenso wie sein deutscher Leidensgenosse – die Gehälter und Renten der Pastöre, Kaplane, Bischöfe usw. vollständig, hat gleichzeitig aber keinerlei Einfluss auf die Ausrichtung des absolutistischen Männerbundes „Kirche“. Es gibt damit so eine Art öffentlich bezahlte pseudoverbeamtete Metaphysikerkaste, deren Leistungen von immer weniger Menschen nachgefragt wird.

In Zukunft ist damit allerdings Schluss: Die staatliche Unterstützung von heute 57 Millionen Euro wird schrittweise auf etwa acht Millionen Euro zurückgefahren, und die Kirche muss sich um die Finanzierung ihrer Prediger selber kümmern. Zudem wird der bestehende katholische Religionsunterricht durch einen allgemeinen Werteunterricht ersetzt. Dahinter steht die (für viele Deutsche wohl immer noch überraschende Erkenntnis), dass „abendländische“ Werte wie die Gleichberechtigung von Mann und Frau, Religions- und Meinungsfreiheit, Demokratie und allgemeine Menschenrechte nicht unbedingt zu den genuinen Zielen der Kirche gehörten und gehören. Mutter Kirche wird also von ihren Kindern verlassen und Nachwuchs ist nirgendwo in Sicht.

Da sind Jean-Paul Origer und Henri Lorenzo-Huber schon besser dran: Seit dem 1. Januar dürfen sie auch Kinder adoptieren. Die Zukunft wird rosa, Luxemburg!

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