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Bernd Bleffert, der seit fünf Jahren zusammen mit Thomas Rath das „Opening“-Festival veranstaltet, ist zwar Klangkünstler, seine Installationen stehen wegen ihrer Ästhetik dennoch zwischen Musik und Bildender Kunst.

Wie kamen Sie zur Kunst?

Schon mit 12, 13 habe ich angefangen, Klangexperimente durchzuführen. Bis 16 habe ich mit einer Gruppe von Jugendlichen alles Mögliche experimentiert. Wir hatten damals im Dorf ein Sälchen von der Pfarrei, wo wir machen konnten, was wir wollten. Dort haben wir beispielsweise ein Klavier auseinandermontiert – unter den Einflüssen von John Cage und Karlheinz Stockhausen. Ich hatte schon sehr früh einen Draht zur Neuen Musik und habe stark verfolgt, was aktuell passiert. Auch draußen in der Natur haben wir Musikkonzepte realisiert. Zum Leidwesen des Försters haben wir uns im Wald aus Baumstämmen Xylophone gebaut. Im Abstand von 200 Metern zueinander haben wir uns gegenseitig zugespielt.

Gibt es Künstler, die Sie inspirieren/inspiriert haben?

Stockhausen hat mich schon früh sehr begeistert, Cage habe ich mal live in Bonn gesehen. Ich sah ihn dort sitzen, wie er an einem Radio gearbeitet hat. Diese Konzentration und Ernsthaftigkeit hat mich fasziniert. Stockhausen habe ich nie persönlich erlebt, obwohl ein Freund und ich ihm mal einen Brief geschrieben hatten. Er lud uns daraufhin zum Essen ein, aber das war uns so suspekt, dass wir es abgeblasen haben. Er hat mich in meiner Jugendzeit sehr beeindruckt, weil auch immer wieder etwas Neues kam.

Autodidakt oder Ausbildung/Studium?

Ich hatte mal ein bisschen Musikunterricht, aber das hatte wenig damit zu tun, was ich heute kann. Ich bin absoluter Autodidakt auf diesem Felde. Es kommt aus dieser Phase in der Jugend, wo viel experimentiert wurde und eine Offenheit da war, alles aufzusaugen, was es an Musik in der Welt gibt. Irgendwann hat mich das nicht mehr wirklich interessiert und ich habe etwas ganz anderes gemacht. Musik und Klangkunst haben mich zwar noch begleitet, aber nicht mehr so aktiv. Ich bin dann in die Landwirtschaft und Gartenbau gegangen. Wenn ich jetzt zurückblicke, sehe ich darin trotzdem einen Zusammenhang – zum Stoff, zum Material. Meine Quellen liegen in der Kindheit. Viele Klänge, die ich als Kind wahrgenommen habe, sind für mich prägend. Ich bin an der Ahr aufgewachsen und immer mit rauschendem oder plätscherndem Wasser eingeschlafen.

Gibt es ein Kunstwerk, das Sie bewundern?

Sehr beeindruckend sind die „Sonatas and Interludes“ für präpariertes Klavier von John Cage. Und die ersten elektronischen Werke von Stockhausen. Ganz begeistert hat mich auch Olivier Messiaen, der Vogelstimmen in Klaviernoten umgesetzt hat. Das hat mich emotional in den Zustand versetzt, als wir in der Natur Musik gemacht haben.

Mit welcher/n Technik/en arbeiten Sie?

Was ich klanglich am spannendsten finde, sind die einfachsten Dinge. Klanginstallationen mit Wassertropfen oder mit fließendem Sand. Je einfacher, umso näher geht es mir. Mich interessiert nicht, etwas Kompliziertes zu bauen. Auch die Erzeugung von elektronischen oder künstlichen Tönen interessiert mich nicht. Ich lehne es nicht ab, aber es nicht mein „Forschungsgebiet“. Forschen will ich auch nicht im Sinne eines Wissenschaftlers – es ist reine Neugierde, die Lust am Klang.

Was ist ihr künstlerischer Antrieb?

Man sucht die Befriedigung, ein Erlebnis, das einen in irgendeiner Form zufriedenstellt. Aber das ist nur ein kurzer Moment. Das führt dazu, dass man immer wieder einen Impuls sucht, etwas Neues zu entdecken.

Wie lässt es sich in Trier als Künstler arbeiten?

Es gibt kein großes Publikum für Neue Musik. Wir versuchen, es so zu gestalten, dass wir Interesse wecken, hier hinzukommen. Im letzten Jahr hatten wir einen Publikumszuwachs. In großen Städten gibt es unwahrscheinlich viele Veranstaltungen und eben auch solche, wo nur ein paar Leute sitzen. Daher ist es enorm, was wir hier zustandebringen. Das Provinzielle, das eine kleine Stadt hat, kann auch von Vorteil sein. Manchmal wünscht man sich jedoch ein bisschen anderen Wind. Darum tragen wir auch etwas dazu bei.

Wo würden Sie gerne mal ausstellen/auftreten?

Ich bin da ein bisschen leidenschaftslos. Ich freue mich über Einladungen, so war ich mit der Nadelpendelinstallation vier Wochen am Bodensee (Bild ganz oben). Das war wunderschön, weil es direkt am See war. Durch den Aufbau und den Hintergrund war es ein schöner Eindruck. Das war ein Ort, wo es vom Publikum stark genutzt wurde. Die Installation habe ich auch mal in Uruguay gezeigt. 6000 Menschen haben sie im Nationalmuseum gesehen. Durch die Einfachheit entwickelt man leicht einen Bezug dazu.

Der Schlagzeuger und Klangkünstler Bernd Bleffert wurde 1955 in Altenahr geboren und lebt und arbeitet in Trier. Seit 1990 entwickelt er eigene Schlagwerke sowie damit verbundene neue Spieltechniken, Improvisationskonzepte und Kompositionen. Bleffert ist Mitbegründer des Ensembles für experimentelle Musik „Tonwerke Trier“.

Weitere Infos über Bernd Bleffert finden Sie hier.

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