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Beim Kunst-Festival „Respublika“ 2011 in der Ukraine entdeckte Darina Momot ihre Leidenschaft für großformatige Bilder. Mit mehreren Künstlern bemalte sie ein fünfstöckiges Gebäude. „Ich war begeistert von dem Fertigungsprozess und der Intensität der Arbeit.“ Hinzu komme das Arbeiten unter freiem Himmel, die Sonne und der Geruch der frischen Farben. Und schließlich benötigt sie für ihre Werke auch ein bisschen mehr Platz.

Wie kamen Sie zur Kunst?

Ich denke, jedes Kind mag lieber malen als lernen. Das war bei mir auch so. Aber ich lernte in einer Kunstschule, und eine Lehrerin meinte, dass ich begabt sei und von ihr unterrichtet werden solle. Das war ab der sechsten Klasse. Zudem hatten wir eine riesige Bibliothek zu Hause, in der ich immer Bücher über berühmte Künstler las.

Ich malte immer sehr sonderbar, nicht so schön wie andere Kinder. Ich versuchte, keine Puppen mit roten Lippen und großen Augen oder Kätzchen zu malen. In einem Wettbewerb für Kinder, bei dem man den Beruf der Mutter darstellen sollte, habe ich meine Mutter gemalt, wie sie lustige Krüge auf der Töpferscheibe töpfert. Die Wettbewerbsjury fand die Idee wunderschön: Mütter erstellen Gefäße, so, wie sie auch Kinder erziehen. Ich war damals 12 Jahre alt und alle waren überrascht. Besonders meine Mutter, denn sie töpfert nicht. Ich hatte bloß zuvor einen Film über Töpferei gesehen, der mich sehr beeindruckte. Als Kind war es für sehr wichtig, den Preis zu gewinnen, denn er hat mich darin bestärkt, wirklich gut malen zu können.

Gibt es Künstler, die Sie inspirieren/inspiriert haben?

Es gibt viele Künstler, die mich inspiriert haben. Mein Lieblingskünstler ist der niederländische Renaissance-Maler Hieronymus Bosch. Seine Phantasie und sein handwerkliches Geschick sind unglaublich. Er malte philosophische Werke mit Symbolen und tiefschürfenden Bedeutungen. Seine Welt ist faszinierender als die neusten Hollywoodfilme mit Computeranimation. Seine Kreaturen beeindrucken durch ihre Kraft und Energie. Er kombinierte unvereinbare Dinge und hauchte ihnen Leben ein. Sobald man seine Werke nur einmal gesehen hat, vergisst man sie nicht mehr.

Autodidakt oder Ausbildung/Studium?

In der Ukraine muss man nach der Schule eine vierjährige Vorbereitung auf ein Studium der freien Künste durchführen. Das wollte ich nicht, daher habe ich direkt nach der Schule Grafik-Design studiert. Ich hatte aber Privatunterricht bei einem Künstler, denn an der Akademie hatten wir nur wenig Zeichen- und Malunterricht. Ich habe mit Hieronymus Bosch zu Hause studiert.

Gibt es ein Kunstwerk, das Sie bewundern?

Ich bewundere sehr viele Kunstwerke. Auch hässliche Bilder kann ich bewundern. Sie haben ebenfalls eine gewisse Ästhetik. Leonardo da Vinci wurde einmal von seinen Schülern gefragt: „Lehrer, warum zeichnen Sie diesen hässlichen, betrunkenen Zwerg?“ Da antwortete da Vinci: „Ich bin auf der Suche in beide Richtungen. Absolute Hässlichkeit zu finden ist genauso schwierig, wie absolute Schönheit zu entdecken.“ Daher bewundere und genieße ich alle Kunstwerke.

27_kMit welcher/n Technik/en arbeiten Sie?

Mit Spray-Techniken. Ich habe lange gesucht und alles mögliche ausprobiert. Aber immer hatte ich das Gefühl, dass es nicht die richtigen Techniken sind. Ich mochte meine Arbeiten, die ich mit Spraydosen gemacht habe. Aber man kann mit dieser Technik nur große Flächen bemalen wie Hauswände. Vor einem halben Jahr entdeckte ich für mich Airbrush. Jetzt kombiniere ich Airbrush mit Bleistift und Pinsel. Für die Grundierung benutze ich Acryl-Farben.

Was gibt Ihnen Kunst? Was ist ihr künstlerischer Antrieb?

Das Gefühl, dass ich mein Leben nicht mit Trivialitäten verbringe. Wenn ich male, dann hat es immer ein Ergebnis. Ich sehe sofort, dass ich meine Zeit nicht verschwendet habe. Ein Bild könnte vielleicht besser sein, aber es ist nichts Abstraktes. Für mich ist das auch eine Suche. Alles Neue ist interessant für mich. Es gibt noch so viele Kunstwerke, die noch niemand erschaffen hat!

Wie beurteilen Sie die Künstlerszene in Trier?

Meiner Meinung nach fehlt Trier Dynamik im Kunstleben. Es gibt so wenig Möglichkeiten für Künstler, ihre Werke zu zeigen und große Ausstellungen zu organisieren.

Wie lässt es sich in Trier als Künstler arbeiten?

Ich studiere im Masterstudium Kommunikationsdesign an der Hochschule. Dort gibt es viele Einrichtungen, die es mir ermöglichen, meine Kunstprojekte zu realisieren. Ich mag die beschauliche Trierer Innenstadt mit ihren wunderbaren alten Gebäuden, gerade, weil ich auch in der Nähe der Porta Nigra wohne. So habe ich ein ruhiges Umfeld und kann mich voll auf mein Studium und meine Kunstprojekte konzentrieren.

H57A3788_kWo kann man Ihre Werke sehen?

Leider habe ich meine Kunstwerke zum großen Teil in der Ukraine stehen. Aber man kann etliche Fotos von meinen Bildern auf meinem Facebook-Account finden.

Wo würden Sie gerne mal ausstellen?

Ich würde gerne in Berlin im „Hamburger Bahnhof“ ausstellen. Im Sommer letzten Jahres war ich zwei Monate auf einem Sprachkurs in Berlin – da habe ich in diesem Museum phantastische Ausstellungen junger Künstler gesehen.

Darina Momot stammt aus der ostukrainischen Stadt Charkow. Dort studierte sie von 2010 bis 2014 Grafikdesign an der staatlichen Kunstakademie. Die 21-Jährige hat bereits zahlreiche internationale Auszeichnungen und Kunstwettbewerbe gewonnen. Seit Mitte 2014 studiert und lebt sie in Trier.

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