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Vor 40 Jahren wurde “éditions trèves” als lose Grafikervereinigung gegründet. Der Initiator war Rainer Breuer, der gut zehn Jahre später auch die Tuchfabrik mit aus der Taufe hob, wo er in wechselnden Funktionen auch noch heute aktiv ist. Anlässlich des Jubiläums von “éditions trèves” ist dort noch bis zum 21. Dezember eine Ausstellung mit Breuers Werken und denen einiger Weggefährten zu sehen.

Wie kamen Sie zur Kunst?

Neugier, Schule, Kamera: Ich habe als Kind meinem Vater die Boxkamera stibitzt, später die Retina. In Kunst war ich gut, wollte mit 10 Architekt werden, habe immer gezeichnet. Habe alles Mögliche ausprobiert und war auf das Ergebnis gespannt. So fing das an.

Gibt es Künstler, die Sie inspirieren/inspiriert haben?

Klar. Zum Beispiel Monet mit seiner Kathedrale von Rouen. Als ich (mit 15) meine Brieffreundin in Rouen besucht habe, fand ich das Bauwerk faszinierend, und die verschiedenen Poster in den Läden rings um die Kathedrale, die den dezidierten Umgang mit dem Licht zeigten, haben mich umgehauen. Der gleiche Bau in unterschiedlichen Jahreszeiten zu verschiedenen Uhrzeiten, und dann auch noch deutlich anabstrahiert, bei einem so „uralten“ Künstler …

Die amerikanischen Fotorealisten waren mit ihren Farben und Ausschnitten auch nicht ohne Einfluss. Kein Zufall, dass das alles Maler sind.

Dann noch Architekten bzw. Architekturstile wie Frank Lloyd Wright oder das Bauhaus, was meine Motivauswahl angeht. Nicht zuletzt Musiker, die mich zu besonderen Portrait inspirieren, überwiegend aus der Rock- und Gothic-Szene. Es ist toll, wenn das Foto-Objekt auf der Bühne zum Subjekt wird, weil da plötzlich jemand mitagiert, da zum Beispiel der Sänger oder die Geigerin merken oder spüren, dass da unten jemand fotografisch ganz anders agiert als die typischen Pressefotografen.

Autodidakt oder Ausbildung/Studium?

Ich habe parallel zur Oberprima als Gaststudent an der hiesigen FH Aktzeichnen belegt und später berufsbegleitend Fotografie an der Akademie Remscheid für musische Bildung und Medienerziehung (ARS). Wenn man aber nicht immer selbständig dazulernt, nützt einem das beste Studium nichts.

Gibt es ein Kunstwerk, das Sie bewundern?

Weniger einzelne Kunstwerke als vielmehr Künstler: Viele Popart-Künstler sind mein Ding, dann Paul Cezanne, Leonardo Da Vinci, Hieronymus Bosch, Man Ray, Joseph Beuys, Robert Doisneau, Jonathan Meese, Michel Comte, Sigmar Polke, Yoko Ono oder Bettina Rheims; alles Künstler, die ich für ihr Werk bewundere, auch wenn ich nie so arbeiten würde wie zum Beispiel Rheims, ist sie für mich eine der größten fotografischen Künstlerinnen überhaupt.

Mit welcher/n Technik/en arbeiten Sie?

Digital und analog, wobei analoges Material direkt digitalisiert wird, auch wenn ich meine Bilder in der Regel nie bearbeite (selten allenfalls mal eine Ausschnittkorrektur, aber das hat man früher im Labor auch gemacht). Der Grund ist die Ausgabetechnik: Moderne Prints, egal ob auf Papier oder Leinwand (bei mir die Regel) sind klassischen Handabzügen deutlich überlegen, insbesonders ist die Farbwirkung auf Leinwand unschlagbar (mal abgesehen davon, dass die Atemorgane gut darauf verzichten können, ständig Chemiedämpfen ausgesetzt zu sein). Die Aufnahmen selbst gestalte ich nur mit der Kamera, wobei ich das Wort Fotografie wörtlich nehme: Zeichnen mit Licht. Am Häufigsten benutze ich eine große Spiegelreflexkamera und eine kleine Skizzenkamera, die beide eines gemeinsam haben: Mit einem oder zwei Hebelbewegungen lassen sich alle Automatikprogramme abschalten.

Was gibt Ihnen Kunst?

Die Möglichkeit, sich anders mit der sogenannten Realität auseinandersetzen zu können, sich anders ausdrücken zu können, entspannter arbeiten zu können.

Was ist ihr künstlerischer Antrieb?

Meine (andere/schräge/besondere) Sicht der Dinge zu vermitteln, im wörtlichen Sinne.

Wie beurteilen Sie die Künstlerszene in Trier?

Wo gibt es sonst noch gleich fünf Kunstvereine? Die hiesige Szene ist ganz schön ausgeprägt. Und man arbeitet mehr zusammen, ist kaum zerstritten (was anderenorts manchmal echt nervt).

Wie lässt es sich in Trier als Künstler arbeiten?

Dank des Diaspora-Status von Trier nicht besonders optimal. Ein Kunstpublikum, das auch nur annähernd den Aktivitäten entsprechen würde, gibt es leider nicht, einen besonderen Markt auch nicht. Man kann hier gut leben, aber man muss raus. Es ist kein Wunder, dass die meisten aktuellen Arbeiten von mir in Paris, München, Berlin – und Weimar entstanden sind.

breuer kleinWo kann man Ihre Werke sehen?

Zur Zeit in der Geburtstagsausstellung der éditions trèves (eine 17-teilige Serie und zwei Einzelwerke); im Juni in Berlin, vermutlich 2015 auch in der einen oder anderen Gemeinschaftsausstellung in Trier.

Wo würden Sie gerne mal ausstellen?

Wenn schon, denn schon: im Pompidou oder wenigstens im Quai Branly. Ansonsten sind es eher Städte, die mich reizen, die nächsten wären genau die, in denen ich am häufigsten arbeite.

Rainer Breuer (1955 geboren) studierte 1975/76 als Gast an der FH Trier Aktzeichnen und ab 1976 berufsbegleitend Fotografie an der Akademie Remscheid (Schwerpunkt: Fotografie). 1978 verschlug es ihn kurz nach Paris. Seit 1980 lebt er wieder in Trier, wo er unter anderem mit éditions trèves als Verleger tätig ist.

Weiter Infos finden Sie hier.

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