Integral

Rolf Liesers Kunst ist in gleichem Maße geprägt von humanistischer Bildung und vom Wissen des Westens sowie von den Lehren und spirituellen Traditionen Indiens. Die Werke seiner aktuellen Ausstellung in der Tufa, die noch bis Sonntag zu sehen ist, kommentiert er je nach Thema entweder mit Zitaten von Einstein, Galilei oder Kepler oder mit Aussprüchen des indischen Politikers, Philosophen und Gurus Sri Aurobindo. Das kommt nicht von ungefähr: Lieser lebte und arbeitete bis 2012 30 Jahre lang in Indien.

Wie kamen Sie zur Kunst?

Im Jahr 1972 hatte ich während der Aufnahmeprüfung an der Fachhochschule und durch Meditation entsprechende Erfahrungen und fühlte mich zur Kunst berufen. Nach ersten Bildern während des Studiums begann ich erst in Indien ernsthaft mit Malerei und Bildhauerei.

Gibt es Künstler, die Sie inspirieren/inspiriert haben?

Während des Studiums haben mich vor allem Ernst Fuchs und Gustav Klimt sehr inspiriert, aber auch die Impressionisten, Surrealisten und Picasso. Heute bin ich eher inspiriert von philosophischen und wissenschaftlichen Themen und verbinde Malerei und Bildhauerei in 3D-Relief-Arbeiten. Ich versuche, neue Wege zu gehen, für die es (noch) keine Vorbilder in der Kunst gibt.

Autodidakt oder Ausbildung/Studium?

Ich studierte Visuelle Kommunikation an der Fachhochschule Trier. Das gab mir die Grundlagen von Gestaltung und Technik. Alles Weitere habe ich verfeinert.

Gibt es ein Kunstwerk, das Sie bewundern?

Ja, die Pyramiden und das Universum. Mich faszinieren eher die Mysterien und wissenschaftlich-philosophische Forschung. Neuzeitlichen Kunstwerken fehlt oft wenigstens eine „bewundernswerte“ Dimension!

Mit welcher/n Technik/en arbeiten Sie?

Früher fast ausschließlich Öl auf Leinwand (und Marmor in der Bildhauerei). Heute eher Acryl und Mixed Media, teilweise in Relief gearbeitet.

Was gibt Ihnen Kunst?

Kunst ist mein Leben. Kreatives arbeiten und Kunst geben meinem Leben einen Sinn. Kunst, in welcher Form auch immer, ist für mich das direkteste und daher beste Medium, innere Erfahrungen und ein höheres Bewusstsein materiell zu manifestieren.

Was ist ihr künstlerischer Antrieb?

Neues zu schaffen. Experimentieren mit verschiedenen Medien und Dimensionen, um unerforschtes Terrain in der Kunst zu erkunden. Um verborgene Wahrheiten aufzudecken und zu visualisieren, sind reiner Realismus und reine Abstraktion nur ungenügend in der Lage.

Wie beurteilen Sie die Künstlerszene in Trier?

Da ich erst seit zwei Jahren wieder in Deutschland bin, fehlt mir noch der entsprechende Einblick und resultierendes Urteilsvermögen. Allerdings schätze ich sehr die Arbeiten von manchen Kollegen.

Rolf LieserWie lässt es sich in Trier als Künstler arbeiten?

Schwer für mich zu sagen, so direkt auf den Trierer Raum bezogen. Als Künstler kann man überall arbeiten, ob in Indien oder in Trier. Wenn man gar nicht anders kann, als Kunst zu erschaffen, dann stellt sich nicht die Frage nach dem „wie“.

Wo kann man Ihre Werke sehen?

Noch bis Sonntag im Ausstellungsraum (1. Obergeschoss) in der Tufa und ansonsten jederzeit auf meiner Homepage.

Wo würden Sie gerne mal ausstellen?

Vielleicht auf dem Hauptmarkt. Ich finde, man sollte Kunst einem breiteren Publikum zugänglich machen, nicht nur ausschließlich Kunstinteressierten in versteckten Ausstellungsräumen und Galerien.

Rolf Lieser wurde 1954 in Trier geboren. Von 1975 bis ’79 studierte er an der Fachhochschule Visuelle Kommunikation. In dieser Zeit spielte er zudem Perkussion bei den Trierer Bands „Pictures“, „Nazgul“ und „Erich Pützer Quintett“. Von 1982 bis 2012 lebte Lieser im südindischen Auroville, wo er in den Bereichen Malerei, Bildhauerei, Musik und Architektur arbeitete. In den 90er Jahren hatte er mehrere Kunst-Ausstellungen im Trierer Raum, Köln, Pondicherry, Madras und Neu Delhi. Seit 2012 lebt und arbeitet er als Künstler in Overath bei Köln.

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