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HA Schult wird im Rahmen der „Globale“ des ZKM Karlsruhe vom 19. Juni bis 7. August mit einem Elektro-Auto von Paris nach Peking fahren. Während dieser kulturpolitischen Kunstaktion entnimmt er aus Flüssen und Seen Wasserproben, um „Biokinetische Bilder“ zu erschaffen und unser derzeitiges soziokulturelles Tun in Frage zu stellen. Am Samstag macht der Kölner Aktionskünstler um 11 Uhr vor dem Museum Karl-Marx-Haus Halt, wo er erst vor wenigen Wochen sein Marx-Porträt aus dem „Hotel Europe“ enthüllte.

16 VOR: Peter Sloterdijk bezeichnet Autos als Schutzhülle und Angriffsmittel zugleich, sowie als Mittel, der Welt zu entfliehen oder sie zu erobern. Wenn man sich Ihre Arbeiten mit Autos anschaut, scheinen Sie ein ähnlich zwiespältiges Verhältnis zu motorisierten Fahrzeugen zu haben.

HA Schult: Sloterdijk ist der Philosoph. Ich bin der Macher. Er interpretiert. Ich lasse stattfinden. Das vergangene Jahrhundert geht an das Automobil. Kein Ding je zuvor gab uns eine größere Freiheit. Und Unfreiheit gleichermaßen. Wir sind alle Autos. Wie wäre Goethes Italienreise verlaufen, in einem Opel Kadett?

16 VOR: 1970 legten Sie innerhalb von 20 Tagen 20.000 Kilometer auf deutschen Straßen zurück, um „Stress-Situationen, Konsumsituationen und Bewegungssituationen sichtbar zu machen“, wie es damals im Spiegel hieß. Abgesehen von der künstlerischen Intention – fahren Sie gerne Auto?

HA Schult: 1970 war die große Zeit der Pop Art. Tom Wesselmann, James Rosenquist, später dann auch Andy und die anderen verherrlichten das Auto, stellten es auf den Sockel der Kunst, machten es zur Ikone der Begehrlichkeit. Mit meiner „Aktion 20.000 km“ stellte ich das Auto und den Wahn der Straße in Frage.

Das Auto steht an der Schwelle seiner Neugeburt, die Autos unserer Stauzeit erinnern an Telefonzellen auf Rädern. Trotzdem, ich fahre gerne damit.

16 VOR: Für „Action Blue“ nehmen Sie sich mehr Zeit als für die „Aktion 20.000 km“, allerdings sind Sie auch 45 Jahre älter als damals. Wie bereiten Sie sich auf die Tour vor?

HA Schult: Die 18.000 Kilometer von Paris nach Peking sind komplizierter zu bewältigen als die 20.000 Kilometer täglich zwischen München und Hamburg auf der deutschen Autobahn. Dass 45 Jahre zwischen beiden Aktionen liegen, zeigt die Langsamkeit des Zeitflusses in unseren Köpfen. Ich bereite die Tour mit der Zähigkeit des Geistes vor.

16 VOR: Warum wurde die Route Paris-Peking ausgewählt?

HA Schult: Weil es eine Replik der legendärsten Autofahrt aller Zeiten ist, der Rallye Peking-Paris im Jahr 1907, dem Gründungsjahr der Tongji Universität Shanghai, dem Mitveranstalter von „Action Blue“.

16 VOR: Auch in „Action Blue“ scheint es Ihnen, wie schon bei vielen anderen
Arbeiten, darum zu gehen, Kunst und Wirklichkeit zusammenbringen. Wie werden die Wasserproben, die Sie nehmen, weiterverarbeitet?

HA Schult: Mikroskopische Wasseraufnahmen werden, vergrößert, zu biokinetischen Bildern. Die Natur pinselt das Bild.

16 VOR: Was möchten Sie mit der Aktion bewirken?

HA Schult: Nur Gutes.

16 VOR: Besteht bei Kunst, die auf Missstände wie Umweltverschmutzung aufmerksam machen will, nicht die Gefahr, dass sie „nur“ als Kunst gesehen wird?

HA Schult: Nicht bei mir.

HA Schult im Mai bei der Präsentation von Werken im Karl-Marx-Haus. Foto: Christian Jöricke

HA Schult im Mai bei der Präsentation von Werken im Karl-Marx-Haus. Foto: Christian Jöricke

16 VOR: Am 24. Juni haben Sie Geburtstag. An diesem Tag werden Sie Station in Berlin machen. Wissen Sie schon, wie Sie Ihren Festtag begehen?

HA Schult: Lassen wir uns überraschen.

16 VOR: Meines Wissens gehörte Trier bei der damaligen Rallye Peking-Paris nicht zu den Etappenzielen? Warum wird diesmal dort gehalten?

HA Schult: Um den, nach Mao, weltweit berühmtesten Chinesen zu ehren. Der ist nun mal in Trier geboren.

16 VOR: Erst vor wenigen Wochen präsentierten Sie im Karl-Marx-Haus ein Marx-Potrait von Ihnen, und vor sieben Jahren waren Ihre „Trash People“ bei den Antikenfestspielen zu sehen. Ist Trier für Sie mehr als ein Ausstellungsort?

HA Schult: Ja, ich mag Trier sehr.

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